Sternstunden des Lokalsports: Die Wilden 80er beim TVE

Im Rahmen der Serie „Sternstunden des Lokalsports“ schreibt Stefan Bamberg über die wilden 80er-Jahre der TVE-Schwimmabteilung. Es war die Zeit des ersten Grevener Sprinterpokals und eines prominent besetzten 24-Stunden-Schwimmens. Oder anders ausgedrückt: Von kurzen Strecken und langen Nächten.

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Heutzutage zieht der Grevener Sprinterpokal viele Vereine aus dem gesamten Münsterland an. In den Anfangsjahren fiel der Wettkampf noch etwas kleiner aus.

Dieses Jahr ist es wirklich knapp gewesen. Viel fehlte nicht, und der 33. Sprinterpokal hätte ohne Sabine Meyer stattgefunden. Kurz vor Schluss schneite die Frau der Zahlen und Daten dann aber doch noch herein. Der Grund ihrer Abwesenheit – ein runder Geburtstag – war äußerst freudig. Der Kurzbesuch im Schwimmbad jedoch, er musste trotzdem sein. Denn: Als Trainerin zu sehen, wie ihre jungen Athleten erste Wettkampferfahrungen sammeln. Ein Stück Kuchen zu probieren in der Cafeteria, die am Tag dieses Heimspiels jedes Mal brummt. Die Stimmung aufzusaugen, und das Dampfsauna-Ambiente rund ums Becken. „Daran hängt man doch irgendwie“, sagt sie, „nach all den Jahren.“

Meyer, mittlerweile langjährige TVE-Abteilungsleiterin, hat das Schwimm-Spektakel in verschiedensten Funktionen erlebt. Und war schon dabei, als im Juni 1987 die allererste Ausgabe durchs Grevener Freibad schwappte. „Da war der Wettkampf noch längst nicht so groß wie jetzt“, blickt sie zurück. „Vielleicht kamen so acht, neun Vereine.“ Das Reglement allerdings, das las sich exakt wie heute: kurze Strecken, schnelle Zeiten! Freistil, Brust, Rücken, Delfin – für jede Disziplin erhalten die Athleten Punkte, gemessen am Weltrekord. Am Ende wird addiert, der Vielseitigste gewinnt.

Erfinder des Sprinterpokals – seinerzeit eine ziemliche Neuheit in der Region – dürfte der damalige Abteilungschef Martin Schröder gewesen sein. Und jener Schröder, heute bekanntlich Leiter der Grevener Bäder, war es auch, der im Herbst 1988 ein denkwürdiges 24-Stunden-Schwimmen organisierte. Eine illustre Veranstaltung anlässlich des 90. TVE-Geburtstags: Alle Bürger waren aufgerufen, im Hallenbad zugunsten der „Aktion Sorgenkind“ Bahnen zu ziehen. Die wichtigste Regel: „Es musste immer mindestens ein Schwimmer im Wasser sein“, erklärt Meyer. Nachts übernahmen sie und ihre TVE-Kollegen das. Tagsüber kamen zur allgemeinen Erheiterung auch Kunstspringer vorbei, die mit dem Fahrrad vom Fünfer hüpften. Und Lokalpolitiker, die ein Staffelrennen veranstalteten – und dabei in Person von Professor Korfsmeier (CDU) und Herrn Lichterbeck (SPD) den Startschuss verpennten.

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Sabine Meyer

Meyer hat den Zeitungsbericht noch, und die handgeschriebenen Urkunden von früher: „Seit ungefähr 1980 hab ich alles verwahrt“, berichtet sie. Mitte der Siebziger, kurz nach der Eröffnung des Hallenbades, ging sie erstmals zum TVE-Training. Entwickelte sich zu einer Spezialistin über die Delfin-Strecken – und war, jedenfalls in dieser Disziplin, übrigens auch Erste beim ersten Sprinterpokal: „Im Jahrgang 1970 und älter“, wie die Presse, äußerst charmant, schrieb.

Sabine Meyer hieß damals noch Lengermann. Unter altem und neuem Nachnamen feierte sie in den 90ern allein und mit ihren Teamkolleginnen Erfolge – und war dann plötzlich nicht mehr live zu sehen, sondern nur noch zu hören: „Als Hallensprecherin“, schmunzelt sie. Später wechselte sie als Wettkampfleiterin an den Computer, wo sie – bis heute – mit den rund 30 Schiedsrichtern die Rennen auswertet. Und die Begegnungen genießt, in der Schwimmszene kennt fast jeder jeden: „Bis kurz vor dem Start wird noch nett gequatscht“, weiß Meyer. „Aber im Wasser geht’s dann zur Sache.“ Da schenken sie sich nichts, da hauen sie sich Wellen und Bestzeiten um die Ohren, da bringt das Geschrei der Trainer die Schwimmhalle zum Beben.

„So langsam fehlt es einem echt“
Sabine Meyer

Der Sprinterpokal – inzwischen eins der größten Sport-Events der Stadt. Von dem man aktuell freilich nur träumen kann. Die Corona-Zeit? Eine ganz besonders harte für die Schwimmer, die sich per WhatsApp Trainingspläne schicken: Läufer können allein laufen, Fußballer zumindest den Ball hochhalten. Schwimmer aber dürfen nicht ins Wasser: „So langsam fehlt es einem echt“, sagt Sabine Meyer am Telefon. Eigentlich wäre gleich Training.

von Stefan Bamberg
14.05.2020

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